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Michaelischule

Wettbewerb Dezember 2006, 2. Preis


Die Michaelischule liegt im Volkspark, aber auch neben dem sechs Meter höherliegenden Bahndamm und ist somit einer extremen Lärmbelastung ausgesetzt. Unser Entwurf verfolgt in seiner Anordnung und der räumlich – funktionalen Disposition das Ziel, die Vor- und Nachteil des Standortes zu erkennen um optimale Lern- Lehr- und Aufenthaltsqualitäten zu schaffen, einen Lebensraum, der zu allen Tageszeiten und Gelegenheiten die Schüler und die Schulgemeinschaft zum Verweilen einlädt.

Erschließung:
Die zur Verfügung stehenden Grundstücke werden durch den Vorgebirgswall getrennt, ein geordnetes Erschließungskonzept soll die Trennung überbrücken:
Rad,- und Fußweg werden vor dem Schulgebäude getrennt geführt, der Fahrradstellplatz (100 Stpl.) liegt als Spange dazwischen.
Mit einem Wendekreis vor dem „Michaeliplatz“ der Schule endet der Autoverkehr.
Für Schüler, die mit PKW befördert werden, bestehen Haltemöglichkeiten neben dem Fußweg in Fahrtrichtung zur Stadt.
Die unmittelbare Zufahrt zu den Parkbuchten (32 Stpl.) reduziert den Fahrverkehr vor dem Schulgelände.
Diese Entflechtung verbindet die beiden Grundstücke, für Schulgarten und Schulgebäude und garantiert eine Aufenthaltsqualität auf dem Michaeliplatz,
auch zu Hauptverkehrszeiten.

Städtebauliches Konzept:
Das Schulgebäude wird auf dem nördlichen Grundstück so angeordnet, dass der Baukörper gegen den Bahndammbogen einen Schallschutz für den Schulhof und den Unterricht bildet.
Alle Funktionsräume sind nach Norden orientiert
In Verlängerung des Michaeliplatzes bildet ein kleiner Werkhof (Werken, Ausstellungen) den Eingangsbereich zur Schule.
Schule als Lebenswelt und nicht als Lehranstalt, Schule als Zirkus und Erfahrungsort ist das zentrale Thema unseres Entwurfs.
Zirkus, Theater, Konzert, Pausenaufenthalt und Sport sind im Erdgeschoss so angeordnet, dass eine flexible vielfältige Nutzung ermöglicht wird.
Wie bei der Quadratur des Kreises formen die sich scheinbar widersprechenden Formen eine Mitte und geben der Michaelischule ihr unverwechselbares Haus.
Als Schutz vor der Schallbelastung von außen ergibt sich die kompakte Anordnung in der Mitte der Schule, die sensiblen Nutzungen wie Sprechtheater und Konzerte werden so möglich. Die bauphysikalischen Berechnungen zeigen, dass das Zwiebelprinzip oder die Puppe in der Puppe die einzige Antwort auf die extreme Lärmbelastung insbesondere den tiefen „Rumpel“-Frequenzen darstellt.
Eine mobile schalldämmende Trennwand, die im Kreis geführt werden kann, ermöglicht die unterschiedlichen Nutzungen im Zentrum.
Im Saal schlagen wir eine zusammenfahrbare Tribüne mit gepolsterten Klappsitzen vor, wodurch sich weitere differenzierte Raumnutzungen ergeben, insbesondere für den Unterrichtsbetrieb mit Theater- und Konzertproben sowie Kulissenbau.
Alle Klassenzimmer sind in einbündiger Anordnung nach Norden angeordnet und somit optimal schallgeschützt und blendungsfrei belichtet.
Die Klassen 1-4 befinden sich im EG mit direkt zugänglichem Freibereich, die Klassen 5-9 im OG mit Außentreppen zum Pausenhof und die Klassen 10- 13 auf der Sporthalle und dem Saal mit eigener Dachterrasse. Die Flure sind zum differenzierten Unterricht ausgeformt und nutzbar, da feuerpolizeiliche Rettungswege direkt ins Freie führen.
Die Räumlichkeiten für die Mittagsbetreuung nutzen den Geländeversprung im Nordosten des Schulhofs der Blick ist in den Volkspark orientiert.

Konstruktion:
Die Primärkonstruktion sieht Stahlbetondecken vor, die auf den Außenwänden und Stützen aufgelagert ist, sodass eine optimale Variabilität für die (auch in späteren Jahren) gewünschte räumliche Anordnung und Ausformung der einzelnen Nutzungsbereiche gegeben ist.
Die Dächer sind als extensiv begrünte Betondecken ausgebildet, um ausreichend Schallschutz zu gewährleisten und zur Optimierung des Raumklimas.

Elemente und Gliederung der Freibereiche:
Eine Freiluftbühne unter einem Zelt mit Platz für Veranstaltungen und Feste in unmittelbarer Nähe des Hauptzugangs zum Schulhof.
Spiel und Aufenthaltsbereich für die Unterstufe im Nahbereich der zugehörigen Klassen 1- 4.
Spiel- und Aufenthaltsbereich für die Mittelstufe, im Bereich der nördlichen Hofmauer. Hier befinden sich Kletterwand und Kletternetz mit Balancierelementen und Sitzmöglichkeiten.
Die Treppenläufe zu den Klassen der Mittelstufe sind eingepflanzt mit Rankgewächsen und jeweils einem Baum. Dazwischen Spielinseln mit Geräten für vielseitige Bewegungsarten, wie Klettern, Schaukeln, Hangeln und Balancieren.
Seitlich befinden sich Gerätespiele auf „weichem“ Untergrund ( Sand, Kies, Rindenschrot, etc.),
Bereiche für Bewegungsspiele und Veranstaltungen sind gepflastert.
Zusätzlich zu den Dachgärten für die Oberstufe befinden sich
Rückzugsbereich auf den Sitzstufen des Schulhofs
Für die Lehrer und die Hausmeisterwohnung gibt es separate Dachterrassen auf den begrünten Dächern.
Ein bepflanzter Laubengang führt in den Schulgarten, der eingezäumt und eingepflanzt ist. In der nördlichen Hälfte, ein mehrfach zu nutzendes Kleinspielfeld als Außen-Sportfläche.


Energie, Belichtung, Beleuchtung Bei Schulen gibt es drei prinzipielle Themenbereiche, die es mit einem integralen Energiekonzept zu lösen gilt:

- Minimierung Energiebedarf, mit Hauptenergieverbraucher
Kunstlicht und Heizung
- Begrenzung der sommerlichen Raumtemperaturen
- Sicherstellung der Luftqualität, insbesondere bei niedrigen Außentemperaturen

Aufgrund von Zugerscheinungen oder auch aus Lärmbelästigung bleiben – vor allem im Winter – in Schulräumen während des Unterrichts die Fenster geschlossen. Dies hat zur Konsequenz, dass am Ende einer Unterrichtseinheit die Luftqualität unzumutbar ist und ein konzentriertes Arbeiten unmöglich macht. Alternativen zur „Pausenstoßlüftung“ führen häufig zu einer signifikanten Erhöhung der Kosten in Bau und Betrieb des Gebäudes.


Ziel des Klimakonzepts ist es, mit minimalem Aufwand in Bau und Betrieb des Gebäudes, die Luftqualität sowie thermische Bedingungen und die Lichtverhältnisse zu optimieren.

Winterfunktion Die Fassade wird mit Lüftungsflügeln ausgestattet. Die Lüftungsflügel sind 2-stufig kipp- bzw. klappbar. Unabhängig davon werden die Klassenräume über einen Erdkanal mit der erforderlichen hygienischen Grundluftmenge versorgt. Die vorgewärmte Frischluft vermischt sich mit der am Heizkörper aufsteigenden Warmluft. Die Abluft wird über einen angeschlossenen Solarkamin abgeführt. Der Antrieb erfolgt natürlich aufgrund der Dichtedifferenzen zwischen Ab- und Außenluft. Dadurch kann sowohl die Luftqualität als auch Zugfreiheit sichergestellt werden. In den Pausen kann über die Lüftungsflügel zusätzlich stoßgelüftet werden.
Sommerfunktion Der Erdkanal bewirkt im Sommer eine Vorkühlung der Außenluft. Eine weitere Verbesserung der Raumkonditionen wird durch die thermische Aktivierung der Betondecke erreicht. Der zentrale Bereich wird nicht abgehängt und bleibt so thermisch aktiv. Nachts wird der Raum mit kühler Nachtluft durchströmt und die Decke thermisch entladen.
Energiekonzept
Passive Maßnahmen, d.h. die Nutzung von solaren Gewinnen führen in Verbindung mit einem guten Dämmstandard zu einer Minimierung des für den Betrieb des Gebäudes erforderlichen Energieeinsatzes. Die nach Norden orientierten Klassenräume und der teilweise transparente südliche Erschließungsbereich sind die Grundlage eines energieoptimierten Betriebs. Das natürliche Lüftungskonzept ermöglicht es, bei guter Luftqualität den Lüftungswärmeverlust zu reduzieren. Eine mechanische Lüftung wird vermieden. Die Kompaktheit der Gebäudeform kombiniert mit einem erhöhten Wärmeschutz (ausgeglichener Glasanteil) führt zu einer Minimierung des Heizwärmebedarfs.

Der transparente Anteil sowie Fassaden-/ Sonnenschutzausführung ist bezüglich der Anforderungen an Tageslicht/ Blendschutz optimiert. Zusätzlich wird aufgrund der beidseitigen Belichtung über die Erschließungsbereiche eine optimale Tageslichtversorgung ermöglicht.

Aufgrund der massiven Konstruktion wird eine sommerliche Überhitzung vermieden.
Die natürliche Entwärmung der Räume über Nacht sorgt tagsüber für ein angenehmes Raumklima.

Die Nutzung des Erdkanals für das Auditorium, den Zirkus und die Sporthalle macht ihn zu einem zentralen Element, der die Versorgung dieser Bereiche mit vorkonditionierter Luft ermöglicht. Diese Bereiche werden über einen Ventilator versorgt, der aufgrund der geringen Druckverluste im System nur einen geringen Strombedarf aufweist.

Dieses Konzept gewährleistet bei geringen baulichen Investitionskosten eine ökologisch nachhaltige Betriebsnutzung.
Der zu erwartende Heizenergiebedarf liegt bei 20 kWh/ (m²a), dies entspricht einem sogenannten 2l-Haus,
die Betriebskosten für Beleuchtung werden durch die Konzeption der beidseitigen Belichtung
um 30% reduziert auf ca 11 kWh/ (m²a).

Nutzerbeteiligung:
Wir halten eine Beteiligung der Baufamilie am weiteren Entwurfsprozess für unverzichtbar und sehen in der vorgeschlagenen Bauweise beste Voraussetzungen für eine zügige Partizipation möglichst vieler.
Aus baubiologischen Gründen schlagen wir vor die nicht tragenden Wände weitgehend aus Lehm zu errichten.

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