Werkstoffe

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Werkstoffe

Bauen mit Holz

Bauen mit Holz hat eine lange Tradition, wobei ihr technisches Wissen, sei es nun handwerklich oder industriell nur eine Fassette darstellt, die hier vertieft behandelt wird. Die anderen aber, die mehr die Natur des Menschen betreffen, sein Wohlbefinden im Umgang mit Holz wird nur am Rande erwähnt werden, wird uns aber zunehmend wichtiger.
Der Mensch ist von seiner Natur aus „hausbedürftig“, er braucht nicht nur physischen Schutz vor der Witterung, sondern darüber hinaus deckt das Bedürfnis nach Wohnen auch lebenswichtige soziale und psychische Grundforderungen ab.
Unser Wohlbefinden steht im Dialog mit unserer Behausung, als dritte Haut bietet sie nicht nur Schutz sondern schärft und stimuliert sie unsere Sinne.
Und hier hat Holz als uralter Baustoff eine geradezu magische Anziehung für den Menschen.

Vor 20 Jahren haben wir, angeregt durch die Holzbauweise von Walter Segal, begonnen, im Rahmen des Faches Baukonstruktion an der UNI Stuttgart zusammen mit Peter Sulzer Selbsthilfebauten zu realisieren.

Der besondere Witz der gewählten Bauweise besteht in seiner Selbsthilfegerechtigkeit. Schlanke Holzquerschnitte, die in der Regel nicht stärker als 5 oder 6 cm sind, werden mit einfachen Handkreissägen gekappt und mit Nägeln oder Spaxschrauben zu einem Tragwerk verbunden.

Die Beschränkung auf wenige Querschnitte z.B. 5 x 15 oder 5 x 25 bieten dem Entwerfer überraschend große Freiheiten, die je nach statischer Anforderung oder gestalterischem Wollen vielfältigste Tragwerkslösungen entstehen lassen können.

Da bei den Selbsthilfebauten die Arbeitskraft sozusagen kostenlos anfiel, galt es preiswert nach dem Prinzip des Leichtbaus zu konstruieren und mit den außerordentlich geringen Finanzmitteln auszukommen. Neben der Leichtbauweise zeichnen sich alle unsere ersten Selbsthilfebauten dadurch aus, dass z.B. grundsätzlich nur Fensterleichen, d.h. Fehlmaße, die in Glasereien billig zu erweben sind, in den Fassaden eingesetzt werden.
Durch die Begrenzung auf die wenigen Bohlenquerschnitte entstand bei komplexeren Konstruktionen der Zwang, Tragwerke dadurch herzustellen, dass diese Bohlen in unterschiedlicher Weise kombiniert wurden.

Das Baumhaus der Odenwaldschule wie auch alle späteren Gebäude wurden in unserem Büro komplett dreidimensional im Computer generiert und der Abbund erfolgte direkt nach unseren Daten.
Da egal ist, ob von Hand oder maschinell beim Holzbau jedes einzelne Element separat abgelängt und abgebunden wird, besteht überhaupt kein Zwang zur Standardisierung einzelner Bauteile.

Ein bestehender Ahornbaum blieb als Zentrum des Gebäudes erhalten. Um das Wurzelwerk des Baumes nicht zu schädigen, steht das gesamte Gebäude lediglich auf zwei Einzelfundamenten unter einem oben angeordneten Streifenfundament.
Je zwölf kegelförmig angeordnete Stahlrohre tragen eine Stahlbetonplatte, auf der die zwei Klassenzimmer und der darüber angeordnete Gemeinschaftsbereich in Holzbau errichtet wurden. Das Gebäude scheint gleichsam über dem Hang zu schweben, ein Eindruck, der nicht nur von außen, sondern auch im inneren spürbar ist.

Bereits der klassische Zimmermannsbau hatte zwar die Verbindungstechniken standardisiert, die Dimensionierung der einzelnen Bauteile erfolgte jedoch immer für den individuellen Zweck.
Durch die Verteuerung der Zimmermannslöhne war diese Individualität zwar kostspielig geworden aber tendenziell immer noch möglich.
Durch die weite Verbreitung von Abbundanlagen, in denen auch differenzierteste Zuschnitte preiswert möglich sind, können komplexe Tragwerke nahezu mit dem gleichen Aufwand hergestellt werden.

Beim Horthaus Bremen wurde diese Möglichkeit am weitesten ausgereizt, indem 2500 unterschiedliche Holzteile zum Haus an der Mauer oder dem Fossil zusammengefügt wurden.
Das Horthaus Bremen erzählt zwei Geschichten: das Haus an der Mauer und das Urtier oder der Tatzelwurm.
Eine bis zu 6 m hohe und 49 cm starke Wand, aus handgestrichenen Ziegeln windet sich, auch aus Stabilitätsgründen, durch eine Grünlandschaft und erinnert an Stadtmauer wie an Schlangenurtier. Die geschwungene Form ist raumbildend für den zentralen Platz, die Halle, in deren Mitte eine glasiert Säule die 24 Sparren, welche hier trichterförmig zusammenlaufen, unterstützt.
Die Sparren lehnen sich in radialer Ordnung an den Verlauf der Mauer, sind in den Innenräumen immer sichtbar und bilden so den spannenden Kontrast zwischen dem Massiven und dem schlanken, speichenförmigen Tragwerk.
Als begrüntes Pultdach ist unter der Dachschräge eine Differenzierung des Gruppenraumes möglich, die Gauben unterstreichen die Lichtführung und den Raum im Inneren, von außen ist durch die weit hinuntergezogene Traufe der Maßstab für die Kinder gewährleistet.

Im Hinblick auf Komplexität und Leichtigkeit des Tragwerks bildet der Bau der Arche, einer kleinen Kirche für Stuttgart-Stammheim, den vorläufigen Höhepunkt.
24 radial angeordnete Träger wachsen quasi wie ein Ammonit vom kleinsten 3,60 m langen Träger bis zum längsten, der 15 m misst. Aus einzelnen Douglasiebohlen, 5 x 15 bzw. 5 x 25 cm, wurden Fachwerkbinder von „Patenschaftsfamilien“ der ev. Kirchengemeinde in Selbsthilfe hergestellt und in einer gemeinsamen Aktion mit dem Autokran aufgerichtet.
Eine 35 mm starke Kerto-Dachbeplankung, die mit Nagelblechen schubfest auf die Binder befestigt ist, bildet eine freitragende Schale, die ohne Mittelstütze die Lasten auf die 24 5-fach Kreuzstützen überträgt. Die Aussteifung des gesamten Tragwerks erfolgt über die Fassadenelemente.

Der Trennvorhang der Sporthalle der Odenwaldschule wurde oberhalb der Bogenbinder in einem gläsernen Dachoberlicht untergebracht, in dieser Tasche wird der Trennvorhang geparkt, der Hallenquerschnitt verläuft dadurch ohne Unterbrechung.
Diese Halle wurde stark unter ökologischen Gesichtspunkten entwickelt und kann außerordentlich energiesparend betrieben werden:
Das Duschwasser wird über Solarkollektoren erwärmt, das große Foyer vor der Halle dient als Luftkollektor und das Dachoberlicht als Solarkamin, der eine natürliche Belüftung der Halle ohne elektrische Antriebsenergie ermöglicht.

Das gleiche Lüftungsprinzip wurde beim Neubau der freien Waldorfschule Köln-Chorweiler angewendet. Das Projekt Odenwaldschule und Köln-Chorweiler wurden energietechnisch beraten durch das Büro Transsolar in Stuttgart, die Tragwerksplanung lag beim Büro Sobek und Rieger, Stuttgart.

Über nahezu 20 Jahre „bauen mit Holz“ haben wir die große Freiheit der Konstruktion kennengelernt. Wir hoffen, dass uns die Zukunft Gelegenheit gibt, weitere interessante Bauten zu erfinden, wobei wir den bisher eingeschlagenen Weg des Planens und Bauens mit den späteren Nutzern weiter ausbauen wollen.

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