Erweiterung FWS Frankfurt/Main

195-blatt-1

195-schlucht195-halle

Erweiterung FWS Frankfurt/Main

Als wir vor 20 Jahren unsere erste Schule entworfen und gebaut hatten, waren wir der Meinung, dass das Schulgebäude keinen wesentlichen Einfluss auf die Lehre hätte und das Schule etwas sei, das zwischen Lehrenden und Lernenden passiert, dass gute Schule in einem schlechten Gebäude und schlechte Schule in einem guten Haus möglich sei.

Wir hatten das Glück, acht Jugendhäuser unter Beteiligung der späteren Nutzer bei der Planung und auch beim Bau zu realisieren und waren überrascht über diese so ganz anders aussehenden Häuser, die vor Individualität und Einzigartigkeit strotzten und zugleich, dadurch, dass sie mit wenig Geld, zum Teil aus gebrauchten Elementen errichtet waren, ein anderes Bild zu den bombenstabilen Betonbauten, die scheinbar als einzige der rabiaten Nutzung eines Jugendhauses widerstehen könnten, darboten.

Trotz ihrer großen Fragilität wurden diese Jugendhäuser außerordentlich pfleglich behandelt und schienen durch den liebevollen Umgang der Bewohner immer reicher zu werden und zeigten keinerlei Spuren von Vandalismus jedweder Art.

Als Erklärung für dieses Phänomen schien naheliegend, dass die Bewohner der Häuser selbst aktiv für deren Schutz verantwortlich waren und insofern sahen wir mit einer gewissen bangen Sorge der Zeit entgegen, da die nächste und übernächste Jugendhausgeneration mit den so entstandenen Häusern konfrontiert werden würde.

Zu unserer Überraschung änderte sich auch in der fünften und sechsten Generation der Umgang der Jugendlichen mit ihren Häusern keinesfalls, sondern schien eher noch liebevoller zu werden, es schien gerade, als ob die vielen Streicheleinheiten die jene Gebäude empfangen hatten, sich verstärkend auf die Atmosphäre, das Ambiente oder die Aura eines Hauses auswirkten.

Wir mussten erkennen, dass die Gebäude die Botschaft „ich bin von vielen Menschen in einem intensiven Beteiligungsprozess entworfen und mit Liebe von vielen Händen gemacht worden“, selbst ausstrahlten, ohne dass sie einen menschlichen Mittler bräuchten, das heißt, solcherart entstandene Häuser schützen sich gleichsam selbst.

Der Grund liegt in dem Phänomen, dass der Mensch seinem Wesen nach hausbedürftig ist und zwar nicht nur physisch sondern auch psychisch und sozial.
Die Verhaltensforscher wissen, dass Häuser nicht rein technische Gebilde sind, sondern darüber hinaus wesentliche andere Funktionen erfüllen müssen, die weit über das hinausgehen, das die meisten Architekten beachten, wenn sie ein Haus bauen. Dieses trifft insbesondere auf Schulen zu, in denen junge und damit noch sehr formbare Menschen große Teile ihrer Jugend verbringen müssen.

Die Erkenntnis, dass Lernräume gleichzeitig Lebensräume sein müssen, führte dazu, dass wir, Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen sowie Eltern am Entwurfs- und Bauprozess beteiligen und als Ergebnis Schulkomplexe entstanden sind, die in ihrer differenzierten Ausformung eher gewachsenen städtischen Strukturen als monolithischen Großbauten gleichen.

Peter Hübner Januar 2002
Fotos Cornelia Suhan

 

Adresse:
Friedlebenstraße 52
60433 Frankfurt/Main

Bauherr:
Waldorfschulverein Frankfurt am Main e.V.
Friedlebenstraße 52
60433 Frankfurt/Main

www.waldorfschule-frankfurt.de

Fertigstellung:
März 2002

Baukosten (KG 300-400):
ca. 1,7 Mio. € (brutto)

Flächen:
NGF ca. 1.300 m²
BRI ca. 5.950 m³

Nach oben

plus+ bauplanung GmbH - Freie Architekten, Goethestraße 44, 72654 Neckartenzlingen, Telefon +49 (0)7127 - 92 07 0, Telefax +49 (0)7127 - 92 07 90, info@plus-bauplanung.de