Jugendhaus Frankfurt – Nied

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Jugendhaus Frankfurt – Nied

Wir basteln uns ein Jugendhaus

Nied. Ein unbekanntes Objekt ist das Ufo am Jugendhaus in Nied schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Wer den Stadtteil mit der Straßenbahn von Griesheim aus anfährt, empfindet den eigenwilligen Anbau schon fast wie ein Wahrzeichen. Dieser Charakter soll bei dem neu zu erbauenden Jugendhaus noch verstärkt werden: Und so erarbeiten Jugendliche, Sozialarbeiter und Architekten am Modell ein eingeschossiges Haus, das den Ufo-förmigen Anbau integriert und mit einem geschwungenen Dach dessen rundliche Form aufnimmt. Untergebracht werden unter anderem ein Kraft- und ein Gruppenraum sowie Rückzugsräume, getrennt für Jungen und Mädchen. Auch die Jugendberatung Nied soll in den Neubau einziehen.

Was bisher nur in der Fantasie existierte, ist am Wochenende der Realität ein ganzes Stück näher gekommen. Viele Stunden investierten die Jugendlichen mit Architekt Peter Hübner vom Architekturbüro «Plus +», um vier Modelle zu besprechen, zu fotografieren, immer wieder zu verändern und schließlich im Maßstab 1:50 nachzubauen. Unterstützung erhielten sie dabei von Inge Peusquens-Fischer vom Hochbauamt. Sie wird die erarbeiteten Modelle und Pläne schon bald an das Revisionsamt weitergeben, damit die Bauarbeiten ausgeschrieben werden können. Denn im Jahr 2007 soll das neue Jugendhaus fertig gestellt werden. Fest steht, dass rund 1,5 Millionen Euro in das Projekt fließen werden. Davon stammt ein Drittel aus dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse.

Schon die bisherige Planungsphase hat ihre ganz eigene Geschichte: Im vergangenen Frühjahr wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, sechs Architekten reichten ihre Entwürfe ein. Manche wollten das UFO wie gewünscht erhalten, andere nicht. Doch eine wesentliche Forderung wollte nur das Büro «Plus +» erfüllen: Die spannende Aufgabe, Baupläne und Modelle gemeinsam mit den Jugendlichen zu entwerfen. «Sicher, man investiert dafür viel Freizeit, doch es lohnt sich», sagte der Architekt. «Denn die jungen Leute identifizieren sich mit ihren Häusern, gehen viel pfleglicher und kreativer damit um.» Kreativ zeigten sich die Jugendlichen schon bei der Besprechung der Modelle: Das traf auf das runde geschwungene Dach zu, aber auch auf die Innenaufteilung. «Jungen- und Mädchenräume sollen sich nebeneinander befinden, schön wäre eine Spielkonsole», schlug Ivo Ajouaou (16) vor. Nicole Michel (15) wollte auf jeden Fall eine lichtdurchflutete Terrasse im Mädchenraum. Beide Räume sollen jetzt im Nordflügel des ersten Stockes verwirklicht werden.
Im Süden zur Birminghamer Straße soll im Erdgeschoss ein Café entstehen, im ersten Stock ist der Gruppenraum geplant. In die Mitte soll eine Halle kommen. Im Osten in unmittelbarer Nähe zum Anbau ist im Erdgeschoss die Jugendberatung vorgesehen, im ersten Stock sollen Verwaltungsräume untergebracht werden.
Bis zu diesen ersten Modellen war es für die Jugendlichen ein hartes Stück Arbeit: Immer wieder formten sie ihre Vorstellungen in Knete, schufen so die Vorlagen für die ersten Holzmodelle. Die Geschichte des Ufos empfanden sie in einer kreativen Bildergeschichte nach. Tatsächlich konnte der futuristische Anbau vor acht Jahren dank einer Spende der Firma «Expo Technik» verwirklicht werden.

Workshops sind für die Jugendlichen noch in den kommenden Wochen vorgesehen, bis ein Modell im Maßstab 1:20 steht. Hübner ist überzeugt, dass sich die Mühe lohnt: «Die Häuser, die ich so mit jungen Leuten verwirklicht habe, stehen bis heute unbeschadet.» (got)

Frankfurter Neue Presse vom 28.11.2005

 

Erläuterungstext Ideenwettbewerb

Da es sich bei dem UFO nur einen halben Elypsoiden handelt, war jetzt die Herausforderung, eine glaubhafte Geschichte zu erfinden, wie es zu dieser Halbheit kommen konnte:

Eine erste Geschichte schildert, wie das Raumschiff die Schallmauer durchbricht. Aus dem Sprachspiel „Schallmauer durchbrechen“ entsteht eine Lärm-Schutzwand zwischen Jugendclub und Stadt. Diese Wand wäre später der Ausgangspunkt für die weiteren Entwurfsschritt.
Diese Geschichte erschien uns zu destruktiv.

Eine zweite Geschichte handelt von der Metamorphose des UFOs.
Die eine Hälfte bleibt erhalten, die andere wandelt sich in einen Schleier, dem späteren Glasdach über der Oase, um die die Jugendräume angeordnet sein werden:
Der Skarabäus sitzt im Zentrum des Wiesendaches.

Die dritte Geschichte handelt von der Zellteilung der Elypsoiden auf dem Planeten Utopia:
Alle UFOs sind in Wirklichkeit nur halbe Elypsoiden, drehen sich aber über Ihre Mittelachse so schnell, dass sie von den Menschen als volle UFOs gesehen werden.

In diesem Fall kann die Wand mit dem jetzigen UFO erhalten bleiben und der Neubau findet auf dem Gelände des jetzigen Containerdorfes statt, unter Einbeziehung der Betonwand.

Beim ersten Treffen würden diese drei Geschichten dem Jugendclub präsentiert werden und zusammen mit der Vorstellung bereits anderer, von uns realisierter Jugendhäuser als erster input, für ein brainstorming dienen, an dem sich alle anderen Entwurfschritte weiter entwickeln würden.

Über diese Vorgehensweise würden wir den Entwurf des Jugendhauses emotional verankern und das Haus zu einem einmaligen Ort werden lassen können, mit dem sich nicht nur diese sondern auch spätere Jugendhausgenerationen voll identifizieren können.

Peter Hübner

Neckartenzlingen, den 23.06.2005

 

Adresse:
Birminghamstraße 119
65934 Frankfurt am Main

Bauherr:
Jugend- und Sozialamt
Eschersheimer Landstraße 241-249
60311 Frankfurt am Main

Fertigstellung:
2008

Baukosten (KG 300-400):
ca. 1,1 Mio. € (brutto)

Flächen:
BGF ca. 655 m²
NGF ca. 575 m²

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